Wehrpflicht abschaffen?

Am 5. Januar 2012 reicht die GSoA ihre Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht ein. Damit ist die Debatte lanciert. Doch ist die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sinnvoll in einer Gesellschaft, in welcher Rechte immer vehementer durchgesetzt, Pflichten jedoch immer weniger wahrgenommen werden?
Der Militärdienst in seiner heutigen Form hat kaum mehr eine Daseinsberechtigung. Dienstleistungen von allen für alle im Sinne einer allgemeinen Dienstpflicht könnten jedoch von grossem Nutzen für die Gesellschaft sein und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz sein. Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) hat dazu einen interessanten Vorschlag präsentiert.

Die Menschen in unserer Gesellschaft haben eine immer stärkere Anspruchshaltung und gleichzeitig immer weniger Bewusstsein für die Bürgerpflichten. Individualismus gilt mehr als das Gemeinwohl. Andererseits würden viele Jugendliche gerne eine nützliche, sinnvolle Aufgabe in der Gesellschaft wahrnehmen. Das gesellschaftliche Engagement ist durchaus in Mode, es fehlen aber die richtigen Angebote.

Die allgemeine Wehrpflicht besteht heute zum grössten Teil aus dem Militärdienst. Die traditionelle Armee hat in der heutigen Welt jedoch ihre Aufgabe weitgehend verloren. Somit sehen viele Dienstpflichtige im Militärdienst verständlicherweise keinen Sinn mehr.
Soll deswegen jedoch die Dienstpflicht abgeschafft werden? Dies ist nicht die Lösung. Nein, sie müsste umgebaut und den heutigen Herausforderungen angepasst werden.

Aufgrund der demographischen Entwicklung oder des Klimawandels kommen grosse Aufgaben auf uns zu wie beispielsweise die Katastrophenhilfe bei Unwettern oder die Betagtenbetreuung, um nur zwei Aufgabenbereiche zu nennen. Auch Einsätze in Gemeinden, namentlich der Feuerwehr, oder sogar humanitäre und friedenserhaltende Einsätze im Ausland sind nötig und sinnvoll.

Solche sinnvolle Einsätze sind heute bereits im Rahmen des Zivildienstes möglich. Der Zivildienst wird jedoch nach wie vor gegenüber dem Militärdienst benachteiligt.

Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) schlägt nun in ihrem bemerkenswerten „Contrat Citoyen“ die freie Wahl zwischen Militär- und Zivildienst vor. Dabei sollen beide Dienstarten gleich lange dauern. Der Dienst an der Allgemeinheit würde zur allgemeinen Dienstpflicht für alle umgestaltet, also auch für Frauen und für Jugendliche ohne Schweizer Pass. Dies wäre ein weiterer Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Integration.

Dieser Vorschlag lässt viele Fragen offen. Wie sollte die Armee aufgebaut sein? Welche Aufgaben soll sie wahrnehmen? Der Fokus und dieie Ausbildung müssten gegenüber heute drastisch verändert werden. Der Schwerpunkt der Militärausbildung soll nicht länger auf dem Erlernen des Kriegshandwerks für einen unwahrscheinlichen Krieg liegen, sondern einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen haben. Der Militärdienst soll um sicherheitsrelevante Themen ergänzt werden. Denkbar wären Einsätze zur Entlastung von Feuerwehr und Polizei, bei Grossereignissen und Notfällen, beispielsweise bei Einsätzen zur Bekämpfung von Hochwasser.

Dass auch der Feuerwehrdienst in der allgemeinen Dienstpflicht enthalten ist, wäre deshalb sinnvoll, weil die Rekrutierung von freiwilligen Feuerwehrmännern und –frauen zunehmend schwieriger wird.

Im Gegensatz zum Militärdienst ist das Einsatzgebiet des Zivildienstes klar. Hier stellt sich hingegen die Frage, wie das Zusammenleben, die Begegnungen und die soziale Durchmischung, welche beim Militärdienst hochgelobt werden, gefördert werden können. Denn die meisten Zivildiensteinsätze sind Einzeleinsätze.
Eine Lösung wäre eine vorangehende Ausbildungszeit von ein paar Wochen mit einem Kasernenleben. Die Jugendlichen würden auf ihre Einsätze in der Katastrophenhilfe oder den Sozialdiensten vorbereitet – mit richtigen Übungen, welche für dden gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig sind.

Mit einer angepassten Ausbildung könnten die Jugendlichen auf ihre Einsätze vorbereitet werden und somit die Chance erhalten, nützliche und sinnvolle Arbeit leisten zu können. Eine allgemeine Dienstpflicht für alle mit Einsätzen in verschiedenen Gebieten wäre ein Nutzen für die Gesellschaft, die Allgemeinheit und nicht zuletzt auch für jeden einzelnen Menschen. Das gesellschaftliche Engagement würde wieder zur Selbstverständlichkeit.

Damit gelange ich zu folgender Schlussfolgerung:

Als Gegenvorschlag zur Initiative „Aufhebung der Wehrpflicht“ soll ein Vorschlag für eine allgemeine Dienstpflicht ausgearbeitet werden. Die allgemeine Dienstpflicht soll die Aufgaben der Armee, des Zivilschutzes, des Zivildienstes und teilweise auch der Feuerwehr übernehmen.

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