Solarien für die Sahara (Frauenförderung bei den Grünen)

Die Grünen sollten sich vom verstaubten Feminismus der 70er Jahre verabschieden.

Gelesen im Greenfo, dem Heftli der Grünen Schweiz:
Unsere Partei veranstaltet ein Frauenförderungsprogramm. Finde ich super.
Im Nationalrat sind wir glaub ich, 50:50, ok, könnte man noch steigern.

Bei uns im Grossen Rat im Kanton Bern sitzen 14 grüne Frauen 5 Männern gegenüber.

Für die Grossratswahlen bei meiner Ortspartei, der GFL haben wir bisher rund 10 Frauen, aber erst 5 Männer auf der Liste, um die bisherigen 5 Frauen zu ersetzen.

Wenn ich da von einem Frauenförderungsprogramm lese, muss ich einfach nur lachen. Das haben wir etwa so nötig wie ein Solarium in der Sahara. Aber es geht ja um Exekutivämter. Hab ich schon verstanden. In meinem Kanton kommen mir grad Biel und Bern in den Sinn, wo wir mit Frauen in der Exekutive vertreten sind, in Köniz könnte demnächst hoffentlich eine weitere Frau, Rita Haudenschild, in ein Vollamt gewählt werden (ich unterstütze sie!). Jüngst wurden in der Stadt Zürich Ruth Genner als Stadträtin und im Aargau Susanne Hochuli als Regierungsrätin gewählt.

Es stimmt. In der Romandie sieht es etwas weniger rosig aus, dann kann man das Problem ja aber auch differenziert angehen im Sinne eines regionalen Programms.

Und es geht weiter im “greenfo”:
Am 7. Dezember startet COP 15 Copenhagen, der Klimagipfel, das wichtigste grüne Thema in diesem Jahr. Der einzige substanzielle Beitrag als Vorschau auf Kopenhagen im greenfo ist der Genderbetrachtung der Klimapolitik gewidmet (verkürzt: die Männer sind schuld). Das kann frau schon machen. Aber doch nicht als einziger Beitrag! Kein Wort von der schweizerischen Klimapolitik und den Grünen Anliegen dazu!

Es gibt dann im Greenfo noch den Frauenaufruf gegen die Waffenexporte, das finde ich eine sinnvolle Initiative, die nehme ich ausdrücklich von meiner Kritik aus.

Es ist mir schon klar, dass unsere Wählerinnen gegenüber den Wählern in der Mehrheit sind. Ich muss aber sagen, als Mann komme ich mir schon langsam komisch vor. Die Behauptung, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts von Männern seit Jahrtausenden diskriminiert werden, stellt immer auch eine pauschale Diffamierung von Männern dar, auch von grünen Männern. Das kann frau grundsätzlich schon so sehen. In einer Partei, in der beide Geschlechter respektvoll miteinander umgehen, fühlt sich das aber seltsam an. Immerhin vertreten die grünen Männer keine sehr wesentlich anderen Ideale als die grünen Frauen. Der pauschale Angriff auf die Männer trifft die grünen Männer immer mit. Ich mache ein Beispiel: Der Spiegel hat vor rund 5 Jahren einen Artikel publiziert, in der Männer systematisch abgewertet werden (“Eine Krankheit namens Mann”). Wäre der Titel “eine Krankheit namens Frau” als Artikel im Spiegel denkbar, welcher eine Minderwertigkeit der Frau “beweist” ? Oder ein Artikel mit dem Titel “eine Krankheit namens Jude”. Natürlich wäre so etwas nicht möglich; der Aufschrei – zu Recht – programmiert. Verstaubter Feminismus ist die Lehre vom Menschen, welche den Mann in genetischer und moralischer Hinsicht als minderwertigen Menschen auszeichnen. In unserer Partei sollte es keinen Platz für solch einseitig diskriminierende Positionen mehr geben. Wir müssen den seltsamen und etwas verstaubten Feminismus, der bei den Grünen Schweiz gegen aussen immer noch gepflegt wird und übrigens überhaupt nicht unserem internen Umgang entspricht, endlich thematisieren. Als Reaktion auf diese Kritik empfinde ich das aktuelle Greenfo jetzt nur deplatziert. Ich lade die Grünen ein zu einer Zeitreise ins 21. Jahrhundert, auch in der Gleichstellungspolitik.

Mit Männergruss
Alec

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