Wi ne Chlapf zum Gring
Das Ja zum Minarettverbot ist für mich eine riesige Ueberraschung und Enttäuschung. Die Politik hat es nicht geschafft, der Stimmbevölkerung die offenbar vorhandenen diffusen Aengste zu nehmen. Damit hat die Politik in einer ihrer wichtigsten Aufgaben versagt: der Bevölkerung Aengste zu nehmen und Lebensmut zu schenken.
Das klare Ja zum Minarettverbot kam völlig überraschend. Die Umfragen liessen ein anderes Ergebnis erwarten. Das heisst: die Umfragen waren falsch, die Forschungsinstitute haben krass versagt. Da ärgert es besonders, wenn der Chefvolksbefrager dann am Sonntag den ganzen Nachmittag lang noch seine Analysen im TV präsentiert. Denn die Umfrageergebnisse waren für den Abstimmungsverlauf mitverantwortlich. Hätten die Umfragen auf dieses Ergebnis hingewiesen, hätte eine aktive Gegenkampagne noch aufgebaut werden können. Der sehr hohen Mobilisierung der Minarettgegner hätte zudem eine stärkere Mobiliserung der Initiativgegner gegenübergestellt werden können.
Die Minarette waren kaum das Problem, denn Minarette gibt es praktisch keine in der Schweiz und schon gar nicht solche, die stören. Es gab in der Schweiz bisher kaum Minarette und wird in Zukunft auch kaum Minarette geben, mit oder ohne Verbot. Auch bei einem Nein zur Initiative hätten die Muslime in der Schweiz kaum weitere Minarettptojekte lanciert. Es ging in dieser Abstimmung um den Islam, um Aengste vor dem Unbekannten. Es ist Aufgabe der Politik, diese Aengste der Bevölkerung aufzunehmen und ihr die Zuversicht zu geben. Das ist uns offensichtlich in dieser Abstimmung nicht gelungen. Das Abstimmungsergebnis ist daher ein Versagen der Politikerinnen und Politiker. Wir sind dringend aufgefordert, die Aegste der Bevölkerung ernst zu nehmen.
Wie weiter? Offensichtlich besteht ein erhebliches Informationsdefizit. Wo es keine Muslime gibt, wurde die Initiative klar angenommen, wo es eine grössere muslimische Gemeinschaft gibt, wurde sie abgelehnt. Im versteckten gären offensichtlich unbearbeitete Aengste vor dem Unbekannten. Diese Aengste müssen durch mehr Information bearbeitet werden. Die Initianten haben sich z.B. damit gebrüstet, noch nie in ein islamisches Land gereist zu sein. Oder waren sie äm Aend schon in Hurghada tauchen oder in Djerba baden und haben nicht gemerkt, dass sie sich in einem islamischen Land befinden?
Immigration hat es in der Schweiz immer gegeben, Fremdenhass vermutlich auch. Die ImmigrantInnen haben sich dann immer integriert und haben die Schweiz in jeder Hinsicht bereichert. Die entstandene Vielfalt und Offenheit macht den Charme und die Kraft der Schweiz aus.
Bei dieser Initiative ging es mehr um Symbolisches als um Konkretes (wie übrigens auch bei der Waffenexportinitiative). Konkret ändern wird sich nicht viel. Minarette gab es früher keine und hätte es so oder so auch in Zukunft nicht gegeben. Bleiben wird der erratische Satz in unserer Verfassung als Erinnerung an einen schwierigen Abstimmungssonntag.


