Bundesrat Schmid ist wohl nicht mehr lange handlungsfähig und daher kaum zu retten. Die Hetzjagd der Heuchler und Theoretiker mit ihrer Null-Fehler-Toleranz auf Samuel Schmi gibt mir zu denken.
Unterdessen ist unbestritten, dass Roland Nef nicht zum Armeechef hätte ernannt werden dürfen. Zu schwer wogen die Vorwürfe im damaligen Strafverfahren. Der Gang der Ereignisse legt nahe, dass er versucht hat, die Hintergründe der Strafuntersuchung gegen seine Person zu verwedeln. Für mich ist klar, dass Nef selber verpflichtet gewesen wäre, unter diesen Umständen seine Kandidatur zurückzuziehen bzw. gar nicht zu lancieren. Bundesrat Sämi Schmid wurde durch Nef hinters Licht geführt.
Schmid hat Nef vertraut, und ich schätze und respektiere seine Haltung im diesem Punkt. Ich hätte mich genau gleich verhalten wie er. Vermutlich eine Mehrheit ist dagegen heute der Meinung, Schmid hätte unbesehen des Vertrauens die Strafakten konsultieren müssen. Schmid hat dies unterlassen, das aber unterdessen als Fehler bezeichnet und sich dafür entschuldigt.
Letzte Woche haben die Medien nun herausgefunden, dass Schmid bereits im November 06, also im Jahr vor der Ernennung eines neuen Armeechefs, Kenntnis vom Strafverfahren gegen den damaligen Brigadier Roland Nef erhalten habe, dies aber bisher nicht zugegeben. Schmid selber sagt dazu, er hätte dies vergessen. Die Medien und Parlamentarier werfen Schmid vor, im Juli habe er den Vorgang vom November 06 nicht offengelegt. Schmid lüge daher, oder zumindest wird ihm ein konstruktives Vergessen unterstellt.
Ich halte die neuerliche Kritik an Schmid für heuchlerisch. Heuchlerisch ist die letzte Kritikrunde, weil hier eine Null-Fehler-Toleranz postuliert wird, vor der niemand mehr bestehen kann. Ich halte die Heuchler zudem für Theoretiker, weil sie keine Ahung haben, mit wie vielen Informationen eine Bundesrätin, ein Bundesrat täglich gefüttert werden.
Bundesrat Schmid hat mit der Ernennung Roland Nefs einen Fehler begangen. Er hat sich dafür entschuldigt. Die Affäre könnte damit abgehakt werden und stellt jedenfalls keinen Rücktrittsgrund dar. Unterdessen hat die Medien- und Parlamentskampagne aber eine Intensität erreicht, die eine Rückkehr zum courant normal verunmöglicht. Vielleicht versucht Bundesrat Schmid, auch dieses Gewitter auszusitzen. Vielleicht gelingt es ihm diesmal – nicht mehr.

