Dialog oder Boykott?

Bundesrätin MCR hat eine lesenswerte Rede an ihre Botschafterinnen und Botschafter gerichtet. Aufgeschnappt wurden nur drei Worte: Ussama Ben Laden.

“Sollen wir den Dialog suchen ohne zu unterscheiden, auch wenn das bedeutet, mit Ussama Ben Laden an einem Tisch zu sitzen? Was sollen wir mit Menschen, Gruppen und Staaten tun, die gegen das Völkerrecht und dessen Grundsätze verstossen? Wer ist ein Terrorist? Wer ist ein Freiheitskämpfer?”
Mit diesem Satz hat Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ihre Rede an der Botschafterkonferenz eingeleitet. Gemäss Redetext hat sie dann auf weiteren 17 Seiten erörtert, wie abzuwägen sei, ob man in der Diplomatie eher dem Prinzip des Dialogs oder des Boykotts folgen solle. Sie hat sich mit keinem Wort für einen Dialog mit der Kaida ausgesprochen. Den Anwesenden ist bezeichnenderweise diese Passage gar nicht aufgefallen. Trotzdem wurde nur diese Unterstellung aus ihrer 18-seitigen Rede in Form eines offensichtlich bewusst verfälschten Zitats in alle Welt hinaus posaunt.

Warum?

Micheline Calmy-Rey hat in den vergangenen Monaten – auch aus meiner Sicht – einige umstrittene Aktionen lanciert. Sie hat damit ihren Kredit verspielt und nicht mehr die nötigen Verbündeten. Wenn ein Journalist in einer solchen Situation eine ungeheuerliche Unterstellung publiziert, fehlen auf allen Ebenen die Alliierten, die die Sache sofort richtig stellen. Statt die journalistische Fehlleistung sofort zu korrigieren, sehen sich alle unbeteiligt mit den Händen im Schoss die unglaubliche Szene an und verfolgen mit, wie sich MCR erfolglos gegen eine solche Hetze zu wehren sucht.

Redetext: Hier Herunterladen

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