Bärenparking

Der Ausgang der Abstimmung vom 1. Juni über das Bärenparking in der Stadt Bern ist bereits heute absehbar. Ein neues Parkhaus beim Bärengraben, zusätzlicher Parkraum in der Innenstadt, der zusätzlichen Verkehr erzeugt? Da bin auch ich voll dagegen und stimme mit der Mehrheit nein. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Vielleicht empfangen Sie auch ab und zu ausländische Gäste in Bern. Vielleicht haben Sie auch Ihren Lieblingspaziergang, auf dem Sie Ihren Gästen die Altstadt zeigen. Meiner führt vom Muristalden oder Aargauerstalden mit Aussicht auf die Stadt zur Untertorbrücke, von dort lässt sich die Altstadt parallel zu ihrer Entstehungsgeschichte entdecken. Der Ostausgang der Stadt Bern gehört zum schönsten, was Bern zu bieten hat. Bern ist nicht nur wegen seiner Bauten Weltkulturerbe, sondern auch wegen seiner spektakulären landschaftlichen Lage und Ansichten. Die grosszügigen Aufgänge des Aargauer- und Muristaldens bilden einen hervorragenden städtebaulichen Abschluss der Stadt Bern im Osten. Die imposanten, geschützten Alleen gehören zu den schönsten in Bern. Der Bau eines Parkhauses in diesem Bereich ist mit Arbeiten verbunden, die abzulehnen sind. Sie würden Wunden in die Landschaft reissen, die nicht zu verantworten sind.

Ich gebe aber zu bedenken:

- Klösterlistutz, Aargauer- und Muristalden dienen heute lediglich als Parkplatz, dieser verunstaltet die historische Stadtanlage. In der Innenstadt wurden Parkplätze mit grossem Erfolg in den Untergrund verbannt.
- Die Initianten des Parkhauses planen eine unterirdische Liftverbindung in den Rosengarten. Aus topographischen Gründen ist eher von einem Schräglift oder einer Rolltreppe auszugehen. Dieser Schräglift dient nicht nur dem Tourismus. Er bringt auch die Phantasie für eine Verbesserung der Velostadt Bern zum Blühen.
- So ein Lift würde vom tiefsten Punkt der Stadt Bern (Aare) fast zum höchsten Punkt (Rosengarten) führen. Ermüdete und nicht ganz fitte VelofahrerInnen könnten mit diesem Velolift alle Gebiete im Osten Berns ohne grosse Anstrengung erreichen.
- Dank der angestrebten Verbindung vom Klösterlistutz zum Rosengarten müsste ein neues Parkhaus aber eigentlich gar nicht im Aarehang liegen. Es könnte grad so gut billiger und landschaftsschonender oben an der Hangkante, z.B. unter dem Springgarten erstellt werden. Der Lift würde dann von oben nach unten führen.
- Auch die Einfahrt müsste damit nicht am Klösterlistutz erfolgen, sondern könnte an der Papiermühlestrasse oder der Laubeggstrasse liegen. Der Zu- und Wegfahrtsverkehr würde somit nicht über den Bärengraben geführt.
- Die untere Altstadt würde damit vom Gebiet Rosengarten/Spitalacker her besser erschlossen, der Altenberg erhielte eine direkte Anbindung an das öV Netz.

Sie werden nun zu Recht einwenden, alle diese Ueberlegungen visierten etwas komplett anderes an, als mit der Initiative verfolgt werde, und damit haben Sie natürlich recht. Eine Planung erfolgt sinnvollerweise nicht mit einer punktuellen Initiative, sondern in einem Prozess, in dem alle Interessen einzubeziehen und die immer wieder neuen Aspekte zu berücksichtigen sind. Mit der Weigerung, sich überhaupt über die Verkehrsentwicklung und Verbesserungen beim Ostausgang der Altstadt Gedanken zu machen und Vorschläge, Visionen und Varianten zu erarbeiten, hat der Gemeinderat einerseits die Initiative bewusst provoziert. Andererseits haben die Behörden aber ihre Planungspflicht zu wenig ernst genommen und damit ihre Verantwortung für die Entwicklung der unteren Altstadt ungenügend wahrgenommen.

Ich lehne die Initiative zum Bärenparking aus den eingangs erwähnten Gründen ab. Aber ich bedaure das visionslose Verhalten unserer Stadtbehörden. Wer Visionen hat, muss zum Arzt, meinte einst Helmut Schmidt. So gesehen sind unsere Behörden chärnxung.

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