Der Berner Stadtrat hat darüber debattiert, ob bei Ampeln Schilder “Motor abstellen” aufgestellt werden sollen. Sofia, Hauptstadt Bulgariens, hat dafür eine viel cleverere Lösung.
Bulgarien als jüngstes EU Mitgliedland mag für viele peripher liegen. EU Provinz halt, bestenfalls. Einige wenige haben am Schwarzen Meer schon mal Badeferien gemacht. Die wunderschöne Kulturstadt und heimliche Hauptstadt Plovdiv kennt kaum jemand. In der wirklichen Hauptstadt Sofia habe ich allerdings eine Entdeckung gemacht, die verglichen mit den Diskussionen im Stadtrat von Bern avantgardistisch erscheint. Zur Erläuterung: Der Stadtrat hat gestern darüber debattiert, ob bei den Ampeln in Bern Schilder aufzustellen sind “bei Rot bitte Motor abstellen”. Der Gemeinderat hat den Vorstoss aus Kostengründen abgelehnt, der Stadtrat hat ihn mit klarer Mehrheit trotzdem überwiesen. Was gibt es aber in Sofia? In Sofia hängt neben den Verkehrsampeln eine zusätzliche Ampel mit einem Sekundenzähler. Dieser Sekundenzähler zählt die Sekunden rückwärts bis zum nächsten Wechseln der Phase. Steht die Ampel auf rot, zählt eine rote Leuchtschrift z.B. von 20 Sekunden auf 0, anschliessend springt die Ampel auf grün. Sofort beginnt eine grüne Leuchtschrift die Sekunden der Grünphase rückwärts zu zählen usw. Wer an eine Ampel kommt erfährt schon im voraus, wie lange sie noch auf grün bleibt. Umgekehrt kann man bei rot in aller Ruhe den Stadtplan studieren, wenn der Zähler bei 45 Sekunden beginnt. Das hilft zwar nicht viel, da der Stadtplan in unlesbarer kyrillischer Schrift verfasst ist, praktisch ist es aber trotzdem. Als Tourist im Mietwagen konnte ich sofort feststellen, dass der Sekundenzähler eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mein Stresslevel im Strassenverkehr und damit auch auf mein Fahrverhalten hatte. In Bern stehe ich (mit dem Velo) jeden Morgen zwischen 7 und 8 vor der dosierenden Ampel an der Thunstrasse vor der Tramhaltestelle Brunnadernstrasse stadteinwärts und spekuliere, wie manches Tram ich abwarten muss, bis die Ampel beliebt, auf grün zu springen. Ein bulgarischer Sekundenzähler würde wesentlich zur Beruhigung beitragen. Nachdem bereits die Tafeln an den Ampeln für Bern zu teuer sind, darf man ohne weiteres davon ausgehen, dass bulgarische Sekundenzähler die Möglichkeiten der Stadtkasse sprengen würden. Bern kann sich eben nicht leisten, was in Sofia Alltag ist.
Von Bulgarien lernen
– 17.8.2007Eingestellt unter: Mein Bern, Meine Notizen


In Rumänien ist’s übrigens auch so – un nicht nur in den grössten Städten!
Ich habe da einen leisen Verdacht – wenn das in der Schweiz eingeführt wird, kann man quantifizieren, wieviel ihre Partei den Verkehr um des Behinderns willen behindert – und das würde weder den Grünen noch den Roten helfen….
A propos Ampeln: Weiss jemand, wer für deren Programmierung zuständig ist? Ich habe vor über zwei Wochen mal ein Mail betreffend einer fussgängerfeindlich und vollkommen idiotisch programmierten Ampel an fuss.velo@bern.ch geschickt und immer noch keine Antwort bekommen. Kann mir jemand weiterhelfen (an wen muss ich mich melden)?
In Asien ist man übrigens auch schon so weit. In Bangkok hat das System mit dem Sekundenzähler jede grösserer Kreuzung. Und ist meines Erachens kein “grünes” Anliegen, sondern dient vor allem der Verkehrssicherheit. Sonst mal folgenden