Null Risiko Gesellschaft

Personen, die seit 1980 selber eine Bluttransfusion erhalten haben, werden ab Oktober 2004 vom Blutspenden ausgeschlossen.

Gedanken heute mittag beim Blutspenden. An das Merkblatt mit den vielen Fragen hat man sich ja gewöhnt (“Haben Sie einmal Medikamente gegen Schuppenflechten eingenommen?”). Auch die Fragen über Sexualpartner müssen wohl sein. Neu ist folgendes: da die Creutzfeld-Jakob Krankheit möglicherweise durch Bluttransfusionen übertragen werden könnte (was aber offenbar nicht nachgewiesen ist), werden ab sofort sämtliche Personen vom Blutspenden ausgeschlossen, die seit 1980 selber eine Bluttransfusion empfangen haben. Ausgeschlossen werden logischerweise nur diese Personen, welche auch wissen, dass sie eine Transfusion erhalten haben. Oh, wie einfach und nonchalant war das Blutspenden noch 1980! Fragebogen gab’s keine, dafür kriegte man nur einen Nussgipfel nach der Spende und nicht wie heute ein halbes Menu. Ich habe mich gefragt, was denn mit den 55 Blutspenden ist, welche ich seit 1980 geleistet habe? Nun, die Frage kann offenbleiben; ich werde nämlich nicht vom Blutspenden ausgeschlossen. Ich hatte meinen Skiunfall mit Milzriss in den Frühlingsferien 1979, die Blutspende ist also vor 1980 erfolgt und ich kann weiterhin Blut spenden. Ein seltsames Gefühl bleibt zurück. Bluttransfusionen werden in der Regel in Risikosituationen verabreicht, um PatientInnenleben zu retten. Das Risiko, ohne Transfusion zu Schaden zu kommen ist in dieser Situation unvergleichlich höher verglichen mit demjenigen, durch eine Transfusion geschädigt zu werden. Aber offenbar wollen wir auch solche statistisch winzigen Risiken nicht eingehen. Ich wünsche allen eine gute Reise auf dem Weg zur Null-Risiko-Gesellschaft. Achten Sie einfach darauf, dabei keine Strasse überqueren zu müssen. Denn, wie schon Erich Kästner sagte: das Leben ist lebensgefährlich!

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